„Ach, du züchtest Hunde? Wie schön! Dann kuschelst du ja den ganzen Tag mit Welpen!“

Ja.

Exakt.

Ich stehe morgens völlig ausgeschlafen auf, schlendere entspannt durch mein blitzblankes Haus, trinke in aller Ruhe meinen heißen Kaffee und verbringe anschließend den Tag damit, auf dem Sofa zu sitzen und mit kleinen Welpen zu kuscheln.

So ungefähr läuft der Alltag als Hundezüchter.

Nur ohne ausgeschlafen.
Ohne blitzblankes Haus.
Ohne heißen Kaffee.
Und meistens auch ohne Sofa.

Willkommen in meinem Leben. 😂

Es begann mit einer eigentlich ganz einfachen Idee …

Im April hatte ich eine fixe Idee.

Und wie wir inzwischen wissen, sind meine Ideen meistens genau der Moment, in dem mein Mann langsam nervös wird.

„Wir bauen unseren alten Stall um!“

Drei wunderschöne Welpenzimmer, ein großer Indoor-Spielbereich für schlechtes Wetter, alles praktisch, hygienisch und genau auf unsere Hunde und Welpen abgestimmt.

Baubeginn April.

Fertigstellung August.

Schließlich sollten Ende August die ersten Welpen einziehen.

HAHAHAHAHAHA.

Entschuldigung.

Ich musste gerade selbst kurz lachen.

Denn offenbar hatte ich vergessen, dass Bauvorhaben und Zeitplan zwei Dinge sind, die sich nur vom Hörensagen kennen.

Mal konnten die Handwerker nicht.

Dann war es zu heiß.

Dann fehlte Material.

Dann wurde falsches Material geliefert.

Dann kam gar kein Material.

Und irgendwann entwickelte ich ein leichtes Zucken unter dem rechten Auge und mein tägliches Mantra lautete:

„Es wird alles gut. Du musst nur fest genug daran glauben.“

Später wurde daraus:

„ICH HABE GESAGT, ES WIRD ALLES GUT!!!“

Währenddessen hielten sich wenigstens meine Hunde an den Zeitplan.

Ende August kam Queenys Wurf zur Welt.

Nach vielen Würfen, die wirklich reibungslos verliefen, dachte Queeny offenbar:

„Petra, weißt du was? Routine macht träge. Wir machen diesmal etwas Besonderes.“

Danke, mein Schatz. ❤️

Dazu gibt es noch einen eigenen Beitrag.

Kurz darauf wurde Shadys Wurf geboren.

Und eine Frage bekomme ich seitdem ziemlich häufig gestellt:

„Wie schaffst du das mit zwei Würfen gleichzeitig?“

Meine Antwort ist eigentlich immer dieselbe:

Ob ich für zehn Welpen sauber mache oder für zwanzig – sauber machen muss ich sowieso.

Ob ich Futter für zehn oder zwanzig vorbereite – ich stehe sowieso in der Küche.

Und ob meine Waschmaschine zehn oder zwölf Stunden am Tag läuft, ist inzwischen vermutlich auch egal.

Ich glaube sowieso, dass wir mittlerweile bei unserer Waschmaschine wohnen und nicht sie bei uns.

An dieser Stelle eine kleine Werbepause:

Liebe Waschmaschinenhersteller,

falls ihr wirklich wissen möchtet, wie belastbar eure Geräte sind:

Schickt sie zu mir.

Ich brauche keinen Dauertest über zehn Jahre.

Gebt mir zwei Würfe und vier Wochen.

Danach wissen wir Bescheid.

Einzige Bedingung:

Unter 12 kg Fassungsvermögen brauchen wir gar nicht erst miteinander zu reden.

Ich habe keine Zeit für Spielzeug. 😂

Irgendwann wurden tatsächlich die Welpenzimmer fertig.

Nachdem unsere Knöpfe ihre ersten drei Lebenswochen – wie bei uns üblich – im Wohnzimmer verbracht hatten, durften sie endlich in ihre eigenen Welpenzimmer umziehen.

Und ich?

Glücklich wie Bolle.

Drei fertige Welpenzimmer!

Na ja.

Fast fertig.

Denn „fertig“ ist bei uns inzwischen ein sehr dehnbarer Begriff.

Die Decke im großen Raum muss beispielsweise noch isoliert werden.

Wann?

Vielleicht vor Weihnachten.

Welches Weihnachten, möchte ich an dieser Stelle bewusst offenlassen.

😂

Letztes Wochenende haben wir dann tatsächlich auch noch den großen Indoor-Spielbereich fertigbekommen.

Es musste tapeziert werden.

Gestrichen werden.

Geputzt werden.

Und natürlich brauchten die Welpen einen sicheren Zaun.

Und damit begann …

Der große Ehekrieg um den Bodenanker.

Ich wollte, dass die Pfosten des Zauns fest im Boden verschraubt werden.

Denn kleine Welpen sind süß.

Größere Welpen sind ebenfalls süß.

Größere Welpen, die mit Vollgas gegen einen nicht befestigten Zaun springen, sind allerdings süße kleine Abrissbirnen.

Also sagte ich:

„Die Pfosten müssen im Boden verschraubt werden.“

Mein Mann:

„Petra, weißt du eigentlich, wie teuer dieser Boden war?“

Ich:

…

…

„Interessante Frage, Michael. Weißt DU eigentlich, wer diesen Boden bezahlt hat?“

Stille.

Andere Ehen scheitern an Affären.

Andere an Geld.

Unsere beinahe an Bodenankern.

😂😂😂

Aber ich wäre nicht Petra, wenn diese Geschichte nicht damit enden würde, dass wir einen kompletten Tag damit verbracht hätten, Löcher in meinen sündhaft teuren Boden zu bohren.

Pfosten ausrichten.

Bohren.

Festschrauben.

Alles versiegeln, damit keine Feuchtigkeit eindringen kann.

Der Zaun steht.

Meine Ehe übrigens auch.

Michael verarbeitet das Ganze noch.

Und dann beginnt der ganz normale Alltag einer Hundezüchterin.

Mein Tag startet aktuell ungefähr um 6 Uhr morgens.

Welpen raus.

Mama raus.

Andere Hunde raus.

Irgendeinen Hund wieder rein.

Welpen füttern.

Mamas füttern.

Große Hunde füttern.

Irgendjemand möchte wieder raus.

Wäsche anstellen.

Wäsche in den Trockner.

Trockner ausräumen.

Nächste Waschmaschine starten.

Spülmaschine einräumen.

Spülmaschine ausräumen.

Gemüse kochen.

Gefühlt jeden zweiten Tag ungefähr zehn Kilo davon.

Fleisch vorbereiten.

Futter portionieren.

Decken wechseln.

Pipi wegmachen.

Kacka wegmachen.

Etwas anderes wegmachen, bei dem ich lieber nicht wissen möchte, was es ursprünglich einmal war.

Zwischendurch WhatsApp beantworten.

Welpeneltern auf dem Laufenden halten.

Schnell ein Video machen.

Ein Foto knipsen.

„Schaut mal, was eure Knöpfe heute gelernt haben! ❤️“

Instagram möchte natürlich auch noch bespielt werden.

Instagram und ich führen allerdings weiterhin eine Beziehung, die man wohl am besten mit „es ist kompliziert“ beschreiben kann.

Aber nun gut.

Andere Frauen in meinem Alter lernen Yoga, Spanisch oder Töpfern.

Ich lerne Reels.

Jeder braucht Herausforderungen.

Dann mache ich mir einen Kaffee.

Ich trinke einen Schluck.

Stelle ihn irgendwo ab.

Renne weiter.

Eine Stunde später komme ich wieder vorbei.

Oh! Mein Kaffee!

Kalt.

Natürlich.

Also mache ich mir einen neuen.

Der wird ebenfalls kalt.

Mittlerweile bin ich der festen Überzeugung, dass Kaffee grundsätzlich kalt serviert wird.

Natürlich mit Milch und Zucker.

Wenn schon Überlebensstrategie, dann bitte mit Geschmack.

Fotos habe ich übrigens auch gemacht!

Liebe Welpeneltern:

Sie existieren wirklich!

Mit meiner richtigen Kamera!

Und ich bin mir ziemlich sicher, dass sie wunderschön geworden sind.

Sie befinden sich aktuell nur noch …

… auf der Kamera.

Denn der nächste Schritt wäre, die Kamera zum Computer zu bringen.

Kabel suchen.

Anschließen.

Bilder übertragen.

Sortieren.

Bearbeiten.

Verschicken.

HAHAHAHA.

Vielleicht Weihnachten.

Ich habe ja bereits erklärt, dass wir uns beim Jahr nicht festlegen wollen.

Über meinen Haushalt sprechen wir besser nicht.

Ich möchte nicht behaupten, dass es hier aussieht wie bei Hempels unterm Sofa.

Aber wir arbeiten daran.

Die Spinnen fühlen sich jedenfalls ausgesprochen wohl.

Ich vermute, die ersten haben inzwischen Grundbucheinträge und eine hat gestern gefragt, ob sie das Gästezimmer untervermieten darf.

Ab und zu renne ich mit dem Staubsauger durchs Haus.

Nicht unbedingt, weil ich gerade Zeit dafür hätte.

Sondern weil ich mich danach für ungefähr sieben Minuten wie eine erwachsene Frau fühle, die ihr Leben vollkommen im Griff hat.

Dann kommt der nächste Hund rein.

Und wenn die Welpen abends schlafen?

Dann beginnt mein persönliches Wellnessprogramm.

Der gesamte Spielbereich wird gereinigt und desinfiziert.

Dreckiges Spielzeug kommt raus.

Waschbares Spielzeug landet – Überraschung – in der Waschmaschine.

Der Rest wird gereinigt.

Anschließend wird alles wieder neu aufgebaut.

Denn selbstverständlich können die kleinen Herrschaften am nächsten Morgen nicht exakt dieselbe Einrichtung vorfinden wie am Tag zuvor.

Wo kämen wir denn dahin?

Schließlich sollen sie lernen, entdecken, unterschiedliche Untergründe kennenlernen, klettern, ausprobieren und jeden Tag neue Erfahrungen sammeln.

Das hier ist schließlich kein einfacher Welpenauslauf.

Offenbar betreibe ich ein:

Fünf-Sterne-All-inclusive-Erlebnisresort für gepunktete Kleinkinder.

Und ich bin gleichzeitig Rezeptionistin, Köchin, Reinigungskraft, Animateurin, Hausmeisterin, Hebamme, Krankenschwester, Fotografin und Social-Media-Managerin.

Urlaubsanspruch:

HAHAHAHA.

Bei der täglichen Nutzung der neuen Räume habe ich übrigens festgestellt:

KACKE. ICH HABE ZU WENIG STECKDOSEN EINGEPLANT.

Aber gut.

Das ist ein Problem für Zukunfts-Petra.

Gegenwarts-Petra hat gerade keine Kapazitäten mehr frei.

Und die großen Hunde?

Die gibt es natürlich auch noch. ❤️

Und die dürfen bei all dem Trubel niemals zu kurz kommen.

Also wird zwischendurch gekuschelt, gespielt, gesprochen und einfach gemeinsam Zeit verbracht.

Denn sie sind nicht „die Hunde neben den Welpen“.

Sie sind meine Familie.

Und dann wären da noch …

Bella und Maggie.

Die beiden bekommen Mitte Oktober ihre Welpen.

Denn offenbar dachte das Universum:

„Petra hat zwei Würfe, eine Baustelle, 87 Waschmaschinenladungen und seit drei Wochen keinen warmen Kaffee mehr gehabt. Da geht noch was.“

Also wird heute außerplanmäßig das Wohnzimmer komplett auseinandergenommen.

Alles raus.

Reinigen.

Desinfizieren.

Couch frisch beziehen.

Wasserdichte Unterlagen vorbereiten.

Alles kuschelig machen.

Heute Abend ziehen Bella und Maggie zu mir ins Wohnzimmer.

Tagsüber dürfen sie aktuell noch bei den anderen sein, aber nachts beginnt langsam unsere ganz besondere Zeit.

Und tatsächlich kommt jetzt der völlig unironische Teil.

Genau diese Zeit liebe ich. ❤️

Nachts wird es ruhig.

Die beiden liegen bei mir.

Ich streichle ihre kleinen Kugelbäuche.

Wir kuscheln.

Wir haben Quality Time.

Und für einen Moment gibt es keine Baustelle.

Keine Waschmaschine.

Kein Instagram.

Keine Nachrichten.

Keine Handwerker.

Keine Bodenanker.

Und keinen kalten Kaffee.

Nur meine Mädchen und ich.

Ab nächster Woche dürfen sie sich dann auch tagsüber zurückziehen und ein wunderbar langweiliges, entspanntes Schwangerenleben führen.

Während ich vermutlich weiterhin wie ein aufgescheuchtes Huhn über den Hof renne.

Ach ja – Welpenbesuch bekomme ich natürlich auch noch.

Morgen habe ich noch einen kompletten Tag zum Reinigen und Vorbereiten.

Denn Samstag und Sonntag bekomme ich Besuch.

Natürlich bekomme ich Besuch.

Wann denn sonst?

😂

Und habe ich jetzt meinen kompletten Alltag beschrieben?

HAHAHAHA. Nein.

Während ich diesen Beitrag schreibe, bin ich mir ziemlich sicher, dass ich gefühlt noch 1.000 Dinge vergessen habe, die jeden Tag zusätzlich passieren.

Diese ganzen kleinen Dinge, die im Tagesgeschäft einfach untergehen, weil sie längst selbstverständlich geworden sind.

Termine vereinbaren.

Bestellungen aufgeben.

Gewichte kontrollieren.

Näpfe spülen.

Dokumentieren.

Nachrichten beantworten.

Dinge auffüllen.

Dinge vorbereiten.

Dinge reinigen.

Dinge desinfizieren.

Dinge wegräumen.

Und vor allem:

Dinge suchen.

Wo ist mein Handy?

Wo ist die Schere?

Wo ist der Schlüssel?

Wo ist mein Kaffee?

Und warum bin ich eigentlich gerade in diesen Raum gegangen?

Keine Ahnung.

Aber irgendwas wollte ich hier bestimmt.

😂

Vermutlich liege ich heute Nacht um 0:47 Uhr im Bett und denke plötzlich:

„SCHEISSE! DAS HABE ICH IM BEITRAG VERGESSEN!“

Aber irgendwann muss man aufhören.

Dieser Beitrag sollte schließlich nur einen kleinen Einblick in den Alltag einer Hundezüchterin geben und kein Roman in drei Bänden werden.

Wobei …

Band 1: „Petra und die 20 Welpen – zwischen Waschmaschine, Wurfkiste und Wahnsinn“

hätte durchaus Potenzial.

Und Band 2 ist sowieso schon sicher:

„Der Zaun – eine Ehe am Bodenanker.“

😂😂😂

Und deshalb für alle, die denken: „Ich würde auch so gerne Hunde züchten …“

Mein Tag beginnt aktuell gegen 6 Uhr morgens.

Er endet irgendwann zwischen Mitternacht und 1 Uhr nachts.

Vorausgesetzt, es passiert nichts Unvorhergesehenes.

Kein Welpe macht Sorgen.

Keine Hündin braucht mich.

Niemand bekommt Durchfall.

Keine Waschmaschine streikt.

Kein Tierarztbesuch kommt dazwischen.

Keine Geburt beginnt.

Nichts geht kaputt.

Dann sind tatsächlich luxuriöse fünf bis sechs Stunden Schlaf drin.

Und am nächsten Morgen?

Stehe ich wieder auf.

Gehe zu meinen Hunden.

Werde von kleinen Knöpfen begrüßt, als wäre ich gerade nach zehn Jahren Weltreise zurückgekommen.

Nehme einen Welpen auf den Arm.

Rieche diesen unverwechselbaren Welpenduft.

Sehe meine Mamas zufrieden bei ihren Babys liegen.

Und denke:

Verdammt.

Ich liebe genau diesen Wahnsinn. ❤️

Denn verantwortungsvolle Hundezucht bedeutet eben nicht:

„Wir bekommen mal süße Welpen.“

Sie bedeutet Verantwortung.

Jeden einzelnen Tag.

Auch nachts.

Auch wenn man müde ist.

Auch wenn die eigenen Pläne längst über Bord gegangen sind.

Auch wenn es schwierig wird.

Und manchmal gerade dann.

Aber zwischen all dem Chaos gibt es diese kleinen Momente, in denen ich weiß, warum ich das alles mache.

Und dafür würde ich fast den ganzen Wahnsinn noch einmal auf mich nehmen.

Fast.

Über den Stallumbau sprechen wir bitte frühestens in ein paar Jahren wieder.

Und falls Michael diesen Beitrag liest:

Der Zaun MUSSTE festgeschraubt werden.

Ich bereue nichts.

😂❤️