Die ersten Würfe vergisst man nicht.
Und die ersten Zuchtjahre erst recht nicht.
Meine ersten drei Jahre in der Zucht waren getragen von Engagement, Sorgfalt und dem ehrlichen Wunsch, alles so gut wie möglich zu machen. Ich hatte mich vorbereitet, gelernt, gelesen, geplant. Ich bin diesen Weg mit Respekt gegangen – und mit dem Wissen, das ich zu diesem Zeitpunkt hatte.
Die Welpen aus diesen ersten Würfen waren und sind wunderbare Hunde. Sie sind gesund, liebenswert, individuell. Nichts an ihnen war „falsch“. Und dennoch weiß ich heute: Ich würde manches anders machen.
Nicht, weil es damals schlecht war – sondern weil Erfahrung den Blick verändert.
Mit jedem Wurf habe ich gelernt, genauer hinzusehen. Nicht schneller zu bewerten, sondern geduldiger zu beobachten. Ich habe verstanden, dass sich manche Dinge erst mit Zeit zeigen. Dass Entwicklung nicht gleichmäßig verläuft. Und dass leise Signale oft wichtiger sind als offensichtliche.
Damals habe ich Entscheidungen nach bestem Wissen getroffen.
Heute treffe ich sie aus Erfahrung.
Diese ersten drei Zuchtjahre haben mir gezeigt, wie viel Verantwortung wirklich in jeder Verpaarung liegt. Wie wenig selbstverständlich Ergebnisse sind. Und wie viel Demut es braucht, anzuerkennen, dass man erst im Tun versteht, was Bücher nicht lehren können.
Ich habe gelernt, dass jede Verpaarung eine Annahme ist – keine Garantie.
Dass jeder Wurf eine Rückmeldung gibt.
Und dass es unsere Aufgabe ist, zuzuhören, ohne zu rechtfertigen.
Nicht alles, was funktioniert, ist automatisch optimal.
Und nicht alles, was später anders gemacht wird, war zuvor falsch.
Heute arbeite ich bewusster. Ruhiger. Vorausschauender. Ich nehme mir mehr Zeit für Entscheidungen, lasse Entwicklungen länger zu und hinterfrage früher, was ich früher vielleicht hingenommen hätte. Nicht aus Zweifel an den Hunden – sondern aus Respekt vor ihnen.
Meine ersten Würfe haben mich gelehrt, was Zucht wirklich bedeutet: nicht Perfektion, sondern Lernbereitschaft. Nicht Sicherheit, sondern Verantwortung. Und nicht Stolz, sondern Dankbarkeit.
Dankbarkeit für Hunde, die mir Vertrauen geschenkt haben.
Und für Erfahrungen, die mich zu der Züchterin gemacht haben, die ich heute bin.
Zucht ist kein Ziel, das man erreicht.
Sie ist ein Weg, den man mit wachsender Demut weitergeht.








