Ich muss es mir jetzt einfach von der Seele schreiben.

Damit es raus ist. Damit es ausgesprochen ist.

Nichts schönreden. Keine heile Züchterwelt.

Denn die gibt es nicht immer.

So wunderschön Zucht sein kann, so sehr wir uns über kleine Leben freuen, sie wachsen sehen und ihnen den besten Start ins Leben ermöglichen möchten – es gibt auch die anderen Momente.

Momente, in denen Freude und Trauer ganz nah beieinanderliegen.

Momente, in denen man funktioniert, obwohl einem eigentlich ganz anders zumute ist.

Und Momente, die man vermutlich für den Rest seines Lebens nicht vergessen wird.

Die Geburt meines S-Wurfes gehört für mich genau dazu.

Es begann ganz unspektakulär

Die letzten Jahre war ich wirklich verwöhnt, was Geburten betrifft.

Seit meinem C-Wurf hatte ich keine größeren Probleme mehr und auch keinen Welpen verloren.

Dafür bin und war ich unglaublich dankbar.

Aber ich habe es nie als selbstverständlich angesehen.

Denn wer züchtet, weiß: Man kann noch so gut vorbereitet sein. Man kann Erfahrungen haben. Man kann alles kontrollieren, was sich kontrollieren lässt.

Aber eine Geburt bleibt eine Geburt.

Und manchmal schreibt das Leben seinen ganz eigenen Plan.

Am 28. August hatte Queeny ihren errechneten 58. Tag.

Normalerweise gehört sie zu den Hündinnen, bei denen man eine bevorstehende Geburt ziemlich lehrbuchmäßig erkennt.

Sie hört auf zu fressen.

Sie beginnt zu hecheln.

Sie wird unruhig.

Sie zeigt einfach deutlich: Es geht bald los.

Diesmal sollte es anders kommen.

Als ich abends gerade das Futter für die Hunde fertig machte, kam Michael zu mir und sagte:

„Queeny sitzt auf der Couch und hechelt.“

Okay, dachte ich.

Dann stellen wir uns wohl auf eine Nachtschicht ein. 😉

Gegen 23:45 Uhr platzte die Fruchtblase.

Um 0:27 Uhr am 29. August wurde ihr erster Welpe geboren.

Und dann lief zunächst alles wie am Schnürchen.

Bis 8 Uhr morgens schenkte Queeny sieben kleinen Welpen das Leben.

Sie machte das großartig.

Eine ruhige, instinktsichere Mama.

Alles schien gut.

Bis Welpe Nummer acht kam.

Plötzlich war alles anders

Gegen 10 Uhr merkte ich, dass ihre Wehentätigkeit deutlich nachließ.

Queeny bekam einfach keine kräftigen Wehen mehr zustande.

Sie tat sich schwer, dem kleinen Mann den Weg nach draußen zu ermöglichen.

Schließlich wurde er in seiner geschlossenen Fruchtblase geboren.

Ich öffnete die Fruchtblase.

Und dann kam dieser Moment, den niemand erleben möchte.

Er war bereits tot.

Ich begann sofort mit allen mir möglichen Wiederbelebungsmaßnahmen.

Aber für den kleinen Mann kam jede Hilfe zu spät. 💔

Und während man in diesem Moment noch versucht zu begreifen, was gerade passiert ist, weiß man gleichzeitig:

Es darf jetzt keine Zeit verloren werden.

Queeny brauchte Unterstützung.

Sie bekam unter anderem Calcium und weitere unterstützende homöopathische Mittel.

In ihrem Bauch fühlte ich noch mindestens zwei, vielleicht sogar drei Welpen.

Mein Gefühl sagte mir ganz klar:

Wir warten nicht länger.

„Wir fahren.“

Also schrieb ich meiner Tierärztin Meral eine Nachricht.

Es war Samstag.

Ich wusste nicht, ob sie erreichbar sein würde.

Umso größer war meine Erleichterung, als sie antwortete.

Sie hatte an diesem Wochenende sogar Notdienst.

Nach einigen Sprachnachrichten stand für mich fest:

Queeny und die bereits geborenen Welpen werden eingepackt und wir fahren zu ihr.

Ich hatte einfach kein gutes Gefühl dabei, weiter abzuwarten und irgendwann an einen Punkt zu kommen, an dem nur noch ein Kaiserschnitt helfen kann.

Queeny zeigte inzwischen kaum noch Wehentätigkeit.

Sie hechelte.

Aber mehr passierte nicht.

Wir fuhren los.

Und offenbar war allein die Aufregung der Fahrt genug, um ihren Körper noch einmal zu stimulieren.

Denn plötzlich begann sie wieder zu pressen.

Und dann ging es schnell.

Der Welpe kam während der Fahrt

Queeny brachte während der Fahrt einen weiteren Welpen zur Welt.

Ich möchte das ausdrücklich sagen, weil es sonst schnell falsch verstanden werden kann:

Der Welpe wurde nicht an einer Bushaltestelle geboren.

Er kam während der Fahrt zur Welt.

Ich hielt daraufhin an der ersten Bushaltestelle an, um Mama und Welpen in Ruhe zu versorgen, den kleinen Welpen zu kontrollieren und anschließend sicher weiterzufahren.

Also hieß es: Anhalten – Welpen versorgen – Mama versorgen – Durchatmen – Und weiter.

Zum Glück hatte ich alles dabei, was ich brauchte. In solchen Situationen merkt man wieder, wie wichtig es ist, vorbereitet zu sein.

Bei Meral

Bei Meral angekommen, bekam Queeny zunächst einen Tropf zur Flüssigkeits- und Elektrolytversorgung sowie Oxytocin, um die Wehentätigkeit zu unterstützen.

Dann machten wir ein Röntgenbild.

Und plötzlich war klar:

Es waren noch zwei Welpen in ihrem Bauch.

Der erste lag bereits in Position Richtung Geburtskanal.

Der zweite lag noch deutlich weiter hinten.

Im Ultraschall konnten wir sehen, dass bei beiden noch Herzschlag vorhanden war.

Wir wussten also:

Da sind noch zwei kleine Leben.

Und wir müssen versuchen, sie zu holen.

Den ersten konnten wir relativ schnell auf natürlichem Weg zur Welt bringen.

Queeny half mit einer Presswehe noch einmal mit.

Doch auch dieser kleine Mann wurde in seiner geschlossenen Fruchtblase geboren, und leider war auch er bereits tot.

Wieder haben wir alles versucht.

Meral hat natürlich noch einmal ganz andere Möglichkeiten zur Wiederbelebung als ich zu Hause.

Aber auch ihn konnten wir nicht retten. 💔

Zwei kleine Rüden.

Beide sehr gut entwickelt.

Und trotzdem mussten wir sie gehen lassen.

Und dann war da noch einer

Nun war nur noch ein Welpe übrig.

Queeny war inzwischen völlig erschöpft. Von ihr war keine aktive Mithilfe mehr zu erwarten. Auch auf das Oxytocin reagierte sie nicht mehr.

Wir hatten die bereits geborenen Welpen trinken lassen, denn auch das Saugen kann die Wehentätigkeit stimulieren. Aber nichts half mehr.

Und plötzlich ging es gar nicht mehr darum, wie viele Welpen noch geboren werden sollten.

In diesem Moment ging es vor allem um Queeny.

Ehrlich gesagt hatten Meral und ich zu diesem Zeitpunkt wenig Hoffnung, dass dieser Welpe lebend geboren werden würde.

Aber wir wollten es versuchen. Gemeinsam. Auf natürlichem Weg.

Durch Massagen gelang es uns, den kleinen Mann langsam weiter Richtung Ausgang zu bewegen.

Doch dann wurde es richtig schwierig.

Wir konnten ihn hören

Der kleine Kerl war unglaublich groß. Vor allem sein Kopf bereitete uns Probleme.

Er hatte Schwierigkeiten, durch den Geburtskanal zu kommen. Seine Fruchtblase war bereits geöffnet.

Und dann passierte etwas, das ich in all meinen Jahren noch nie erlebt hatte.

Wir konnten ihn im Geburtskanal hören.

Sein Quieken.

Er hat an Merals Finger nuckelte.

Wir konnten hören, dass er atmete.

Er wollte leben.

Und wir bekamen ihn einfach nicht heraus.

Dieses Gefühl ist schwer zu beschreiben.

Es war keine Panik und irgendwie doch oder eher gesagt es war dieses Gefühl von absoluter Machtlosigkeit.

Du weißt, dass da ein kleiner Welpe lebt.

Du hörst ihn.

Du weißt, dass er kämpft.

Und gleichzeitig bekommst du ihn nicht heraus.

Du versuchst alles.

Du bleibst ruhig.

Du arbeitest weiter.

Aber irgendwo tief in dir wächst diese Angst:

Was, wenn wir ihn trotzdem nicht retten können? Ich sagte nur zu Meral: „Todgeglaubte leben länge“

In solchen Situationen funktioniere ich. Gott sei Dank.

Aber funktionieren bedeutet nicht, dass man nichts fühlt.

Im Gegenteil. Man fühlt unglaublich viel.

Man schiebt es nur für diesen Moment zur Seite, weil es jetzt nicht um die eigenen Gefühle geht.

Es geht darum, Leben zu retten.

30 Minuten, die sich wie Stunden anfühlten

Im Nachgang habe ich Meral gefragt:

„Weißt du eigentlich, wie lange wir da rumgedoktert haben?“

Ihre Antwort: 30 Minuten.

Dreißig Minuten.

Auf der Uhr sind das dreißig Minuten.

In diesem Moment waren es eine Ewigkeit. Eine gefühlte Ewigkeit.

Und irgendwann kommt diese Angst.

Die Angst, dass dieser kleine Welpe trotz allem nicht geboren werden kann.

Dass wir ihn hören.

Dass wir wissen, dass er lebt.

Und dass wir ihn trotzdem verlieren.

Und dann war er plötzlich da ❤️

Nach einer gefühlten Ewigkeit war er endlich da.

Er lebte.

Er atmete.

Er war da.

❤️

Ich glaube, in diesem Moment ist uns beiden eine komplette LKW-Ladung Steine vom Herzen gefallen.

Und keine zwei Minuten später lag er bereits an Mamas Zitze.

Er trank.

Seine erste Milch.

Ein kleiner Kämpfer.

Ein Welpe, der uns in diesen 30 Minuten so deutlich gezeigt hatte:

„Ich will leben.“

Meral und ich waren völlig erschöpft.

Fassungslos von dem Erlebten.

Ich glaube, ein Schnaps wäre zu diesem Zeitpunkt durchaus angebracht gewesen. 😂

Diese Geburt hatte uns alles abverlangt.

Aber wir hatten es geschafft.

Neun kleine Kämpfer ❤️

Heute Morgen liegen hier neun kleine, gesunde Knöpfe und ihre erschöpfte Mama.

Warum die beiden Rüden tot geboren wurden, wissen wir nicht. Beide waren sehr gut entwickelt.

Auffällig war eigentlich nur ihr Gewicht. Einer wog etwa 450 Gramm. Der andere rund 440 Gramm.

Der kleine Kämpfer, der als letzter geboren wurde, brachte 440 Gramm auf die Waage.

Die anderen Welpen lagen größtenteils zwischen 350 und 390 Gramm.

Für eine eher zierliche Hündin wie Queeny waren elf Welpen – und dann noch einige davon mit über 400 Gramm – einfach eine enorme körperliche Belastung.

Umso dankbarer bin ich, dass wir keinen Kaiserschnitt gebraucht haben.

Und genau dafür bin ich Meral unglaublich dankbar. ❤️

Verantwortungsvolle Zucht bedeutet nicht, dass immer alles schön ist

Wir versuchen, wenn es medizinisch vertretbar ist, zunächst alles auf natürlichem Weg zu ermöglichen.

Nicht um jeden Preis. Das möchte ich ganz deutlich sagen.

Es geht nicht darum, einen Kaiserschnitt um jeden Preis zu verhindern.

Es geht darum, mit Ruhe, Erfahrung und medizinischer Unterstützung zu beobachten und zu erkennen, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, einzugreifen.

Für mich bedeutet verantwortungsvolle Zucht nicht, dass immer alles nach Plan läuft.

Verantwortungsvolle Zucht bedeutet auch:

vorbereitet zu sein.

zu beobachten.

Entscheidungen zu treffen.

Verantwortung zu übernehmen.

Und sich Hilfe zu holen, wenn man sie braucht.

Denn manchmal reicht Erfahrung allein nicht.

Manchmal braucht man einen Menschen an seiner Seite, dem man vertraut.

Und ich bin unendlich dankbar, dass ich diesen Menschen mit Meral habe.

Und die beiden kleinen Rüden?

Die werde ich nicht vergessen. Natürlich nicht. Wie könnte ich?

Ich hätte ihnen so gerne die Welt gezeigt. Ich hätte sie gerne aufwachsen sehen. Ihre ersten Schritte. Ihre ersten Abenteuer. Ihre Familien kennengelernt. Ich hätte gerne erlebt, wer sie geworden wären.

Aber sie durften nur ganz kurz bei uns sein.

Ich habe die beiden kleinen Männer in meinem Rhododendronbeet beerdigt. Wer mich schob länger kennt, weiß, dass dort der Platz ist, für alle Körper, deren Seelen sie verlassen haben. Wann immer meine Rhododendron blüht, denke ich an sie.

Dort haben sie nun ihren Platz.

Und vielleicht klingt es für manche Menschen zu emotional, wenn ich sage:

Ich glaube, sie haben sich entschieden, direkt wieder in den Himmel zu gehen.

Aber für mich fühlt es sich genau so an. Sie waren da. Sie haben Spuren hinterlassen. Und sie werden nicht vergessen.❤️

Keine heile Züchterwelt

Ich glaube, genau darüber müssen wir viel öfter sprechen. Nicht nur über die schönen Bilder.

Nicht nur über die zufriedene Mama mit ihren rosigen Welpen. Nicht nur über die ersten tapsigen Schritte.

Nicht nur über die Geburten, bei denen am Ende alles perfekt läuft. Denn das ist nur ein Teil der Wahrheit.

Zucht ist wunderschön.

Aber Zucht kann auch brutal ehrlich sein. Sie kann dich an deine Grenzen bringen.

Sie kann dir innerhalb weniger Minuten das größte Glück und die tiefste Traurigkeit zeigen.

Und manchmal liegen diese Gefühle direkt nebeneinander.

Ich möchte nichts schönreden. Ich möchte keine heile Züchterwelt vorgaukeln.

Denn die gibt es nicht immer.

Es gibt Geburten, bei denen du danach einfach nur glücklich bist. Und es gibt Geburten wie diese.

Geburten, die dir für immer im Gedächtnis bleiben.

Wir können nicht alles kontrollieren

Diese Geburt hat mich wieder einmal daran erinnert:

Wir können vorbereiten.

Wir können beobachten.

Wir können Erfahrung sammeln.

Wir können unsere Hündinnen kennen.

Wir können medizinische Hilfe organisieren.

Wir können im richtigen Moment handeln.

Aber am Ende bleibt immer ein Stück Unberechenbarkeit.

Und vielleicht ist genau das der Teil der Zucht, über den am wenigsten gesprochen wird.

Weil er weh tut.

Weil er nicht in die schönen Instagram-Bilder passt.

Weil man lieber von gesunden Welpen und glücklichen Familien erzählt.

Weil man Angst vor den Reaktionen hat. In der heutigen Zeit ist besonders in den sozialen Medien schneller ein Urteil gesprochen, als man vermag zu denken, und die Hetzjagd beginnt.

Aber auch die Verluste gehören zur Realität.

Und deshalb werde ich heute nicht so tun, als wäre alles einfach nur wunderschön gewesen.

Es war wunderschön.

Und es war schrecklich.

Es war aufregend.

Es war traurig.

Es war erschöpfend.

Es war emotional.

Es war beängstigend.

Und am Ende war da dieses unglaubliche Glück, diesen kleinen Kämpfer lebend in den Händen zu halten.

Heute heißt es einfach: durchatmen ❤️

Queeny bekommt jetzt ganz viel Ruhe und Liebe.

Sie ist völlig erschöpft, kümmert sich aber bereits liebevoll um ihre neun Kleinen.

Und ich?

Ich bin einfach nur dankbar.

Dankbar für meine Hunde.

Dankbar für Meral.

Dankbar dafür, dass ich helfen konnte.

Dankbar dafür, dass wir zur richtigen Zeit die richtigen Entscheidungen getroffen haben.

Dankbar für neun kleine Leben, die heute gemeinsam mit ihrer Mama in der Wurfbox liegen.

Und dankbar für einen kleinen Kämpfer, der uns so eindrucksvoll gezeigt hat, dass er leben möchte.

Und während ich diese Zeilen schreibe, liegen sie da.

Neun kleine Knöpfe.

Eine erschöpfte Mama.

Und zwei kleine Rüden, die ihren Platz in meinem Rhododendronbeet gefunden haben.

Diese Geburt werde ich so schnell nicht vergessen.

Vielleicht werde ich sie nie vergessen.

Und vielleicht ist das auch gut so.

Denn manche Erlebnisse erinnern uns daran, warum wir das alles machen.

Und andere daran, wie viel Verantwortung tatsächlich dahintersteht.

Heute heißt es deshalb einfach:

Durchatmen.

Dankbar sein.

Trauer zulassen. Tränen fließen lassen.

Und dann nach vorne schauen.

Zu dieser kleinen Familie.

Zu neun kleinen Kämpfern.

Und zu einer Mama, die Unglaubliches geleistet hat. ❤️