Leptospirose – zwischen Verlust, Angst und tiefer Dankbarkeit

Der ein oder andere hat es mitbekommen.
Der November 2025 hatte es noch einmal in sich.

Innerhalb von nur sechs Stunden verlor ich einen meiner Hunde. Ohne Vorwarnung. Ohne Zeit, um zu begreifen, was gerade passiert. Ein Moment, der alles stillstehen ließ und ein Loch hinterlassen hat, das sich nicht füllen lässt.

Fünf Tage später kam der nächste Schlag.
Rippchen. Leptospirose.

Eine Diagnose, die Angst macht. Eine Krankheit, die oft unterschätzt wird – und doch innerhalb kürzester Zeit lebensbedrohlich werden kann. Rippchen war zu diesem Zeitpunkt nicht gegen Leptospirose geimpft. Und trotzdem hat er überlebt.

Nicht einfach so.
Sondern weil Menschen hingeschaut haben. Ernst genommen haben. Schnell gehandelt haben.

Ich bin der TiHo Hannover und Mission Gesundheit von Herzen dankbar. Für Kompetenz, für Zusammenarbeit, für Menschlichkeit. Gemeinsam haben wir Rippchen wieder auf die Beine bekommen. Ohne dieses Zusammenspiel würde ich diesen Text heute vermutlich nicht schreiben.

Was ist Leptospirose überhaupt?

Hunde infizieren sich, wenn Leptospiren über Schleimhäute oder kleine Hautverletzungen in den Körper gelangen. Leptospirose ist eine bakterielle Infektionskrankheit, ausgelöst durch sogenannte Leptospiren. Diese Bakterien kommen weltweit vor und werden vor allem über den Urin infizierter Tiere – insbesondere Nagetiere wie Ratten und Mäuse – ausgeschieden.

Hunde infizieren sich meist über:

  • Pfützen, stehende oder langsam fließende Gewässer
  • feuchte Böden, Schlamm oder Überschwemmungsgebiete
  • Kontakt mit kontaminiertem Urin
  • kleinste Verletzungen an Pfoten oder Schleimhäuten

Das Heimtückische daran:
Man sieht die Gefahr nicht. Ein kurzer Moment, ein Schluck Wasser – und es kann reichen.

Was richtet Leptospirose im Körper an?

Die Krankheit zeigt sehr unterschiedliche Symptome, was die Diagnose erschwert. Sie kann plötzlich und schwer verlaufen.

Frühe Anzeichen
  • Fieber
  • Mattigkeit, Schwäche
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Appetitlosigkeit
  • Muskel- und Bauchschmerzen
Fortgeschrittene Symptome
  • Nierenversagen (häufig):
    vermehrtes oder vermindertes Trinken und Urinieren, Übelkeit
  • Leberbeteiligung:
    Gelbfärbung von Augen oder Schleimhäuten (Gelbsucht)
  • Blutgerinnungsstörungen:
    Nasenbluten, Blut im Urin, punktförmige Blutungen in der Haut
  • Atemprobleme, Husten
  • Austrocknung
Schwere (akute) Form
  • Starker Zusammenbruch des Allgemeinzustands
  • Dehydration
  • Nieren- und/oder Leberversagen
  • Lebensbedrohlich innerhalb weniger Stunden bis Tage

Diagnose der Leptospirose

Die Diagnose ist oft nicht ganz einfach, da die Symptome unspezifisch sind. Tierärzte nutzen meist mehrere Methoden gleichzeitig:

1. Blut- und Urinuntersuchung
  • Organwerte (vor allem Nieren & Leber)
  • Entzündungswerte
  • Hinweise auf Dehydrierung oder Gerinnungsstörungen
2. Spezifische Leptospira-Tests
  • PCR-Test auf Leptospiren-DNA
    → sehr zuverlässig vor allem in der frühen Krankheitsphase
  • MAT-Antikörpertest (Mikroagglutinationstest)
    → zeigt Antikörper, aber kann durch Impfung beeinflusst sein
3. Ultraschall oder Röntgen
  • zur Beurteilung von Nieren, Leber und Flüssigkeitsstatus

Leptospirose-Stämme – warum Impfung nicht gleich Schutz bedeutet

Weltweit sind über 300 verschiedene Serovare (Stämme) der Leptospiren bekannt.
In Deutschland treten vor allem folgende Serogruppen auf:

  • In Deutschland kommen beim Hund mehrere Serogruppen vor, darunter:
  • Leptospira bratislava
  • Leptospira copenhageni
  • Leptospira grippotyphosa
  • Leptospira icterohaemorrhagiae
  • Leptospira australis
  • Leptospira canicola
  • Leptospira pomona
  • Leptospira sejroe
  • Leptospira saxkoebing

Diese Vielfalt zeigt, dass nicht nur wenige, sondern mehrere Serogruppen in Deutschland nachweisbar sind, wobei je nach Region und Wirtsspezies unterschiedliche Serovare vorkommen können.

Die aktuell verfügbaren Impfstoffe für Hunde schützen in der Regel gegen vier Serogruppen:

  • Icterohaemorrhagiae
  • Canicola
  • Grippotyphosa
  • Australis

👉 Wichtig zu verstehen:
Eine Impfung bedeutet keine vollständige Immunität.
Sie kann eine Infektion nicht sicher verhindern, sondern zielt darauf ab, den Krankheitsverlauf abzumildern und schwere Organverläufe zu reduzieren.

Ein geimpfter Hund kann also dennoch an Leptospirose erkranken – meist mit milderem Verlauf, aber nicht immer.

Warum sind Hunde aus dem Ausland ein Risiko?

Hunde, die aus dem Ausland nach Deutschland gebracht werden (z. B. aus Südeuropa, Osteuropa oder Ländern mit warmem Klima), können Serogruppen tragen, die in Deutschland seltener oder früher nicht verbreitet waren. In vielen Regionen außerhalb Mitteleuropas überleben Leptospiren durch wärmeres, feuchteres Klima leichter, und es zirkulieren dort oft noch mehr verschiedene Serogruppen.

Das bedeutet:

  • Importierte Hunde können Serogruppen einschleppen, die bei uns bisher nicht häufig waren oder anders verteilt vorkommen.
  • Das kann Einfluss haben auf das Infektionsrisiko für andere Hunde und auch auf die Entscheidung, welche Serogruppen sinnvollerweise in Impfstoffen berücksichtigt werden sollten.

Zudem können importierte Tiere als Reservoir oder Träger fungieren, wenn sie selbst Leptospiren in sich tragen ohne Krankheitssymptome. Diese Bakterien werden vor allem über Urin ausgeschieden, wodurch Umwelt und andere Tiere angesteckt werden können.

Mir ist es wichtig, hier niemandem Angst zu machen, und auch Hunde aus dem Auslandstierschutz sollen und dürfen keinesfalls in ein negatives Licht gerückt werden. Vielmehr wünsche ich mir, dass wir uns gemeinsam bewusst machen, dass jedes Handeln – selbst wenn es aus Liebe und besten Absichten geschieht – Auswirkungen haben kann. Es geht nicht darum, in Sorge oder Angst zu leben, sondern aufmerksam und verantwortungsvoll zu bleiben. Achtsamkeit ist dabei vielleicht eines der schönsten und wichtigsten Worte.

Stimmen aus der Community – und warum sie mich nachdenklich machen

Nach meinen Beiträgen auf Instagram haben mich viele Menschen privat angeschrieben. Nachrichten von Hundehaltern, die mir erzählt haben, dass sie ihre Hunde trotz Impfung an Leptospirose verloren haben.

Diese Geschichten haben mich tief berührt – und sie machen mich nachdenklich. Nicht, um Impfungen pauschal infrage zu stellen, sondern um klar zu erkennen:
Eine Impfung allein ist keine Garantie. Kein Schutzschild, auf dem wir uns ausruhen dürfen.

Diese Erfahrungen bestärken mich immer mehr in meinem Gedankengut, dass ein intaktes, starkes Immunsystem die Antwort auf viele Fragen ist – gerade bei schweren Infektionskrankheiten.

Unsere Verantwortung als Halter

Wir als Hundehalter sind gefragt.
Wir dürfen uns nicht darauf verlassen, dass eine Impfung unsere Tiere vollständig schützt. Die Verantwortung endet nicht beim Tierarzttermin.

Unsere Aufgabe beginnt viel früher.

Ein stabiles Immunsystem entsteht nicht erst, wenn eine Krankheit da ist – sondern von Tag eins an, wenn ein Welpe bei uns einzieht. Eigentlich sogar schon davor.

Bereits bei der Züchterwahl sollten wir genauer hinschauen:

  • Wie wächst der Welpe auf?
  • Welche Rolle spielt Stress in den ersten Lebenswochen?
  • Was bekommt der Welpe beim Züchter zu fressen?
  • Wird auf Darmgesundheit, Nährstoffversorgung und natürliche Entwicklung geachtet?

All das legt den Grundstein für ein Immunsystem, das später belastbar ist – oder eben nicht.

Konkrete Immunsystem-Bausteine für Hunde

Ernährung – die Basis von allem

Das Immunsystem sitzt zu einem großen Teil im Darm.
Was täglich im Napf landet, entscheidet maßgeblich darüber, wie belastbar ein Hundekörper ist.

Wichtige Grundpfeiler:

  • hochwertige, artgerechte Proteine
  • möglichst naturbelassene Zutaten
  • Vermeidung von unnötigen Zusatzstoffen, Zucker, Farb- und Konservierungsstoffen
  • eine bedarfsgerechte Versorgung mit Mikronährstoffen (z. B. Zink, Selen, Vitamin A, D, E)

Frage, die wir uns stellen sollten:
Ernährt das Futter wirklich – oder füllt es nur?

Darmgesundheit – das Zentrum der Abwehr

Ein gesunder Darm ist die Grundlage für ein funktionierendes Immunsystem.
Ein Großteil der Immunzellen ist direkt oder indirekt mit der Darmflora verbunden.

Worauf es ankommt:

  • eine stabile, vielfältige Darmflora
  • Unterstützung nach Antibiotikagaben oder Durchfällen
  • ausreichend Ballaststoffe und fermentierbare Komponenten
  • möglichst wenig dauerhafte Reizung durch ungeeignete Futterbestandteile

Ein geschädigter Darm = ein geschwächtes Immunsystem.

Stressmanagement – ein oft unterschätzter Faktor

Dauerstress schwächt das Immunsystem messbar.
Dazu zählen nicht nur offensichtliche Stressoren, sondern auch:

  • zu wenig Schlaf und Ruhe
  • permanenter Leistungsdruck
  • emotionale Unsicherheit
  • Reizüberflutung

Ein Hund, der ständig „funktionieren muss“, hat weniger Ressourcen für Abwehr und Heilung.

Bewegung & Umwelt – maßvoll statt extrem

Regelmäßige, angemessene Bewegung stärkt:

  • Durchblutung
  • Stoffwechsel
  • Lymphsystem

Aber auch hier gilt:
Mehr ist nicht immer besser. Überforderung, ständige Hochleistung oder fehlende Regeneration können das Immunsystem eher schwächen als stärken.

Frühprägung & Aufzucht – der Start ins Leben

Ein stabiles Immunsystem beginnt nicht beim erwachsenen Hund, sondern:

  • in der Trächtigkeit der Mutter
  • in den ersten Lebenswochen
  • beim Züchter

Fragen, die wir uns stellen sollten:

  • Wie wird die Mutterhündin ernährt?
  • Welche Rolle spielt Stress in der Aufzucht?
  • Was bekommt der Welpe beim Züchter zu fressen?
  • Gibt es frühzeitige, gesunde Umweltreize statt Dauerstress?

Diese Phase prägt das Immunsystem oft ein Leben lang.

Medizinische Unterstützung – bewusst & informiert

Medizin ist wichtig.
Impfungen, Medikamente und tierärztliche Betreuung haben ihren Platz.

Gleichzeitig sollten wir uns bewusst sein:

  • Jede medizinische Maßnahme ist eine Belastung für den Körper
  • Sie ersetzt kein stabiles Immunsystem
  • Sie sollte Teil eines Gesamtkonzepts, nicht dessen einziger Pfeiler sein

Wissen & Beobachtung – unsere stärkste Ressource

Ein aufmerksamer Halter erkennt Veränderungen früh:

  • verändertes Trink- oder Fressverhalten
  • Müdigkeit
  • Rückzug
  • kleine Abweichungen vom Normalzustand

Wissen, Erste-Hilfe-Kenntnisse und Weiterbildung geben Sicherheit – und Handlungsspielraum, wenn es darauf ankommt.

Rippchen, das Immunsystem und meine persönliche Überzeugung

Rippchen war nicht geimpft.
Und dennoch hat er überlebt.

Diese Erfahrung hat mir einmal mehr gezeigt, wie entscheidend der allgemeine Gesundheitszustand eines Hundes ist. Ernährung, Darmgesundheit, Stressmanagement, Bewegung und Umweltfaktoren spielen eine zentrale Rolle dabei, wie ein Körper mit einer schweren Infektion umgeht.

Gleichzeitig war auch das frühe Erkennen der Symptome ausschlaggebend.
Das bestärkt mich darin, weiterhin in Erste-Hilfe-Kurse, Weiterbildungen und Wissen zu investieren. Nicht aus Angst – sondern aus Verantwortung.

Denn wer früh erkennt, kann früh handeln.
Und frühes Handeln rettet Leben.

Eine ehrliche Frage zum Schluss

Was ist besser?

Sich ausschließlich auf eine Impfung zu verlassen –
oder selbst aktiv dafür zu sorgen, dass das Immunsystem unseres Hundes stark, widerstandsfähig und gut vorbereitet ist?

Vielleicht liegt die Antwort nicht im Entweder-oder, sondern im bewussten Hinschauen, Informieren und Übernehmen von Verantwortung.

Ein starkes Immunsystem:

  • entsteht täglich
  • beginnt früh
  • braucht Zeit, Aufmerksamkeit und Verantwortung

Es ist keine Garantie – aber es ist die beste Voraussetzung, schwere Erkrankungen zu überstehen oder ihren Verlauf abzumildern.

Rippchen ist heute noch hier.
Und dafür bin ich unendlich dankbar.