Manchmal schreibt das Leben Geschichten, die man niemals geplant hätte. Geschichten, die einen an die eigenen Grenzen bringen, die schlaflose Nächte bedeuten, Tränen kosten und gleichzeitig das Herz auf eine Weise berühren, die sich kaum in Worte fassen lässt.
Der 16. Oktober 2026 sollte eigentlich ein ganz besonderer Tag werden. Und das wurde er auch. Nur ganz anders, als ich es mir jemals vorgestellt hatte.
An diesem Tag brachten meine beiden Mädels, Bella und Maggy, insgesamt 15 wunderschöne kleine Dalmatiner zur Welt.
Bella schenkte acht Welpen im U-Wurf das Leben, während Maggy sieben kleine Wunder im V-Wurf zur Welt brachte.
15 neue Leben. 15 kleine Herzen, die gerade erst angefangen hatten, diese Welt zu entdecken.
Ich war glücklich, stolz und voller Vorfreude auf die kommenden Wochen.
Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Maggys sieben kleine Wesen würden mich vor eine der größten Herausforderungen meiner bisherigen Züchterzeit stellen.
Wenn aus einem wunderschönen Anfang plötzlich eine Herausforderung wird
Eigentlich sollte alles seinen gewohnten Gang nehmen.
Die Welpen trinken bei ihren Mamas, wachsen, entwickeln sich und werden von Tag zu Tag ein kleines bisschen selbstständiger. Ich begleite sie, beobachte sie, unterstütze dort, wo es notwendig ist, und genieße diese unglaublich besondere Zeit.
Doch bei Maggy entwickelte sich eine schwere Komplikation.
Eine ihrer Schlupfzitzen entzündete sich. Das Gewebe wurde so stark geschädigt, dass schließlich abgestorbenes Gewebe chirurgisch entfernt werden musste.
Für mich war sofort klar: Maggys Gesundheit hatte jetzt oberste Priorität.
Sie brauchte Ruhe, medizinische Versorgung und vor allem die Möglichkeit, sich zu erholen.
Das bedeutete allerdings auch, dass ihre sieben kleinen Welpen aus dem V-Wurf plötzlich nicht mehr wie gewohnt von ihrer Mama ernährt werden konnten.
Und damit begann eine Zeit, die ich so schnell nicht vergessen werde.
Plötzlich war ich nicht mehr nur Züchterin
Ich war auf einmal rund um die Uhr gefragt.
Fläschchen vorbereiten. Milch auf die richtige Temperatur bringen. Jeden einzelnen Welpen füttern. Darauf achten, dass alle ausreichend trinken. Gewichte kontrollieren. Bäuchlein beobachten. Sauber machen. Wieder von vorne anfangen.
Und während man gerade das Gefühl hatte, alle sieben Knöpfe seien satt und zufrieden, meldete sich schon wieder der Erste.
Ich glaube, meine Kaffeemaschine hat in dieser Zeit mehr gearbeitet als jemals zuvor. 😂
Natürlich habe ich schon viele Welpen großgezogen. Ich habe Geburten begleitet, schwierige Situationen gemeistert und unzählige Stunden in meinen Wurfboxen verbracht.
Aber es ist etwas vollkommen anderes, wenn man plötzlich selbst zu einer der wichtigsten Versorgungs- und Bezugspersonen für sieben winzige Lebewesen wird.
Wenn aus dem gewohnten Begleiten ein aktives Großziehen wird.
Wenn sich der gesamte Tagesablauf nur noch um Milchflaschen, kleine Bäuchlein und das Wohlergehen dieser winzigen Geschöpfe dreht.
Und wenn man irgendwann nicht mehr weiß, welcher Wochentag eigentlich ist, weil das Leben nur noch aus Füttern, Kuscheln, Kontrollieren und Schlafen in kleinen Portionen besteht.
Eine Bindung, die ich niemals für möglich gehalten hätte
Was mich in dieser Zeit aber am meisten berührt hat, ist nicht die Arbeit.
Es ist die Bindung, die zwischen diesen sieben kleinen Wesen und mir entstanden ist.
Ich kann es kaum beschreiben.
Wenn ich heute nur meine Hand in die Wurfbox lege, um beispielsweise eine Unterlage auszutauschen, passiert etwas, das mich jedes Mal aufs Neue sprachlos macht.
Plötzlich kommt Bewegung in die kleine Gesellschaft.
Da werden Köpfchen gehoben, kleine Nasen schnuppern aufgeregt, winzige Körper schieben sich in meine Richtung.
Sie suchen mich.
Meine Hände. Meine Wärme. Meine Nähe.
Natürlich verbinden die Kleinen mich mittlerweile auch mit ihrer Nahrung. Das ist mir vollkommen bewusst.
Aber diese Momente fühlen sich trotzdem unglaublich besonders an.
Wenn sich ein kleiner Welpe nach dem Trinken satt und zufrieden in meine Hand kuschelt, wenn seine winzigen Pfötchen auf meiner Haut liegen und er schließlich friedlich einschläft, dann gibt es für mich in diesem Augenblick nichts Wichtigeres auf der Welt.
Es sind diese kleinen, stillen Momente, in denen ich manchmal einfach nur dasitze, einen Welpen in meinen Händen halte und denke:
Wie kann etwas so Kleines einen so großen Platz im Herzen einnehmen?
Und dann schaue ich in die Wurfbox und sehe noch sechs weitere kleine Herzen, die genau das Gleiche geschafft haben. ❤️
Und mittendrin meine wunderbare Maggy
Was mir besonders wichtig ist: Maggy ist und bleibt ihre Mama.
Nur weil ich die Ernährung ihrer sieben Welpen übernommen habe, bedeutet das nicht, dass ihre Mutterrolle weniger wertvoll geworden ist.
Ganz im Gegenteil.
Sobald es ihr gesundheitlich wieder möglich war, durfte sie sich wieder um ihre kleinen Knöpfe kümmern.
Und sie macht das auf ihre ganz eigene, liebevolle Weise.
Sie putzt, umsorgt und kümmert sich um die Kleinen.
Mittlerweile haben wir sogar eine ziemlich perfekte Arbeitsteilung gefunden.
Ich bin für das Füttern zuständig und sorge seit den ersten Versuchen mit fester Nahrung regelmäßig dafür, dass die Welpen aussehen, als hätten sie ein ausgiebiges Schlammbad genommen.
Und Maggy?
Die übernimmt anschließend die Reinigung.
Vollkommen selbstlos natürlich. 😂
Es ist wunderschön zu sehen, dass wir beide auf unterschiedliche Weise für diese kleinen Wesen da sein können.
Ich ersetze ihre Mama nicht. Ich ergänze das, was Maggy im Moment nicht allein leisten kann.
Und genau darin liegt für mich etwas unglaublich Schönes.
Zwei Würfe, 15 kleine Wunder und ein außergewöhnlicher Alltag
Auch Bellas acht U-Knöpfe gehören zu dieser besonderen Geschichte.
Gemeinsam mit Maggys sieben V-Knöpfen prägen sie gerade meinen gesamten Alltag.
Dabei ist der V-Wurf schon genetisch etwas ganz Besonderes.
Eine wunderschöne Vielfalt an Farben und Fellvarianten.
Als Züchterin begeistert mich diese Vielfalt natürlich sehr. Ich liebe es, wenn verantwortungsvolle Zucht, genetische Diversität und besondere Erscheinungsbilder zusammenkommen.
Aber wisst ihr, was in den vergangenen Wochen vollkommen in den Hintergrund gerückt ist?
Die Farben.
Ob schwarz-weiß, braun-weiß, Lemon, Tricolor, Langhaar oder Kurzhaar – wenn man nachts mit müden Augen und einer Milchflasche in der Hand vor der Wurfbox sitzt, spielt das alles überhaupt keine Rolle mehr.
Dann zählt nur noch, dass jeder einzelne Welpe gesund ist, zunimmt, zufrieden einschläft und sich gut entwickelt.
Dann sind es nicht mehr acht Welpen aus dem U-Wurf und sieben aus dem V-Wurf.
Dann sind es einfach meine 15 kleinen Knöpfe.
Jeder mit seinem eigenen Wesen. Jeder mit seinen kleinen Besonderheiten.
Und jeder einzelne hat längst seinen festen Platz in meinem Herzen.
Die Schattenseite dieser besonderen Liebe
Ich möchte aber auch ehrlich sein.
Diese Wochen sind anstrengend.
Sehr anstrengend sogar.
Es gibt Momente, in denen ich körperlich müde bin. In denen mir der Schlaf fehlt, mein Rücken schmerzt und ich mich frage, wann ich eigentlich zuletzt eine Mahlzeit in Ruhe gegessen habe.
Momente, in denen ich mir Sorgen mache, obwohl eigentlich alles gut aussieht.
Denn wenn man so intensiv für kleine Lebewesen verantwortlich ist, begleitet einen diese Verantwortung rund um die Uhr.
Man kann sie nicht einfach ablegen.
Und trotzdem würde ich keinen einzigen dieser Momente missen wollen.
Denn mit jeder Flasche, mit jedem zufriedenen Seufzer und jedem kleinen Entwicklungsschritt wächst etwas, das sich nicht planen lässt.
Vertrauen.
Vertrautheit.
Und eine Nähe, die ich in dieser Intensität bisher nur selten erlebt habe.
Und irgendwann kommt der Tag des Abschieds …
Es gibt allerdings einen Gedanken, den ich im Moment gerne noch ein bisschen von mir wegschiebe.
Den Tag, an dem meine Knöpfe ausziehen werden.
Schon bei meinen ganz normal aufgezogenen Würfen ist das für mich immer ein sehr emotionaler Moment.
Ich begleite meine Welpen von ihrer ersten Sekunde an. Ich kenne ihre Eigenheiten, ihre Entwicklung und ihre kleinen Persönlichkeiten.
Und irgendwann muss ich sie loslassen.
Aber diesmal?
Diesmal wird es vermutlich noch einmal eine ganz andere Hausnummer.
Diese sieben kleinen Wesen kennen meine Hände, meinen Geruch und meine Stimme aus unzähligen Fütterungen und gemeinsamen Momenten.
Und ich kenne sie.
Ich kenne die kleinen Ungeduldigen, die schon lautstark protestieren, wenn die Milchflasche nicht schnell genug kommt.
Die gemütlichen Genießer, die sich beim Trinken alle Zeit der Welt lassen.
Und diejenigen, die nach dem Füttern am liebsten noch ein bisschen in meinen Händen liegen bleiben möchten.
Wie soll man da bitte irgendwann einfach sagen: „So, mein Schatz, jetzt beginnt dein neues Leben“?
Natürlich weiß ich, dass genau das meine Aufgabe ist.
Ich ziehe meine Welpen nicht für mich groß, sondern für die Menschen, bei denen sie hoffentlich ein langes, glückliches und geliebtes Leben verbringen werden.
Und trotzdem darf auch eine Züchterin traurig sein, wenn sie loslassen muss.
Vielleicht werde ich bei diesem Wurf ein paar Tränen mehr verdrücken.
Vielleicht auch ein paar ganze Taschentuchpackungen verbrauchen.
Ich befürchte fast Letzteres. ❤️
Was diese Wochen mit mir gemacht haben
Ich züchte nicht erst seit gestern.
Ich habe schon so vieles erlebt. Wunderschöne Momente, schwierige Entscheidungen, große Freude und auch schmerzliche Erfahrungen.
Aber diese Wochen haben mir noch einmal eine ganz andere Seite meiner Arbeit gezeigt.
Sie haben mir gezeigt, wie viel Kraft man entwickeln kann, wenn kleine Lebewesen auf einen angewiesen sind.
Wie selbstverständlich man eigene Bedürfnisse zurückstellt.
Wie wenig Schlaf plötzlich ausreichen muss.
Und vor allem, wie unglaublich groß die Liebe zu diesen kleinen Geschöpfen werden kann.
Ich bin stolz auf meine beiden Mädels.
Ich bin stolz auf meine 15 kleinen Kämpfer.
Und ja, ein kleines bisschen bin ich auch stolz auf mich.
Nicht, weil ich etwas Außergewöhnliches leisten möchte oder dafür Anerkennung erwarte.
Sondern weil ich weiß, wie viel Herzblut, Verantwortung, Geduld und Liebe in jeder einzelnen dieser Stunden steckt.
Mein kleines Schlusswort ❤️
Wenn ich heute in die Wurfbox schaue und sehe, wie zufrieden meine sieben Flaschenkinder nebeneinanderliegen, wie sie wachsen, ihre Umgebung entdecken und jeden Tag ein bisschen mehr zu kleinen Dalmatinern werden, dann weiß ich eines ganz sicher:
Ich hätte mir diese Situation niemals gewünscht. Aber ich bin unendlich dankbar für das Vertrauen, das mir diese kleinen Wesen jeden Tag entgegenbringen.
Manchmal entstehen die tiefsten Bindungen nicht in den Momenten, die wir geplant haben.
Sondern in denen, in denen wir plötzlich mehr geben müssen, als wir jemals für möglich gehalten hätten.
Und vielleicht ist genau das die größte Erkenntnis dieser Wochen:
Liebe lässt sich nicht in Stunden messen. Nicht in schlaflosen Nächten. Nicht in der Anzahl der zubereiteten Milchflaschen.
Sie zeigt sich darin, dass man immer wieder aufsteht, auch wenn man müde ist.
Dass man geduldig bleibt, auch wenn die Kräfte schwinden.
Und dass man beim Anblick eines winzigen, zufriedenen Welpen plötzlich all die Anstrengung vergisst.
Meine sieben kleinen Flaschenkinder aus dem V-Wurf haben mein Leben in diesen Wochen ganz schön auf den Kopf gestellt.
Aber sie haben es gleichzeitig um etwas bereichert, das ich niemals vergessen werde.
Und wenn irgendwann der letzte kleine Knopf ausgezogen ist, wird es in meinen Welpenzimmern vermutlich sehr still werden.
Aber eines weiß ich schon heute:
In meinem Herzen wird es niemals wieder ganz so sein wie vorher.
Denn diese sieben kleinen Herzen haben dort ihre Pfotenabdrücke hinterlassen.
Für immer. 🐾❤️







