Züchtung früher und heute: Zwischen Tradition, Verantwortung und Kommerz

Züchter mit Dalmatinerwelpen im Arm

Hundezucht war einmal etwas Ehrbares.
Etwas, das Zeit, Herzblut und Verantwortung bedeutete.
Ein Prozess, der darauf abzielte, gesunde, charakterstarke Hunde hervorzubringen – Hunde, die ihren Aufgaben gerecht werden konnten, die Menschen begleiteten, arbeiteten, schützten oder schlicht Teil eines verantwortungsvollen Lebens waren.

Doch die Realität der heutigen Zucht hat sich verändert.
Massiv.
Radikal.
Und nicht zum Guten.

Zwischen Tradition und Kommerz liegen heute Welten.
Welten, in denen Hunde oft die Leidtragenden sind.

Früher: Zucht als Handwerk – Qualität statt Quantität

Traditionelle Zucht war:

  • klein, familiär, verantwortungsbewusst
  • auf Arbeitsfähigkeit, Gesundheit und Wesen fokussiert
  • transparent und langsam
  • von Generationen aufgebaut

Ein Züchter kannte seine Linie.
Er kannte Krankheiten, Wesenseigenschaften, Stärken und Schwächen.
Er züchtete nicht für Profit, sondern aus Leidenschaft – und aus Respekt vor dem Tier.

Zucht war ein Handwerk.
Ein Berufung.
Eine Aufgabe, die Verantwortung verlangte.

Doch diese Werte verschwinden zunehmend.

Heute: Zucht als Geschäft – mit Hunden als Ware

Die moderne Zuchtbranche hat eine dunkle Seite entwickelt.
Eine Seite, in der Geld zur Hauptmotivation wurde.

Kommerz statt Verantwortung.
Profit statt Ethik.
Masse statt Klasse.

Das zeigt sich überall:

1. Überzüchtung und Modefarben

Plötzlich sind „Blue“, „Lilac“, „Merle“, „Mini“ und „Exotic“ im Trend.
Egal, welche genetischen Nachteile diese Farben und Merkmale verursachen –
Hauptsache, sie verkaufen sich gut.

2. Qualzucht nimmt zu

Mops, Bulldogge, Französische Bulldogge, Shar Pei …
Rassen, die kaum atmen können, Augenprobleme haben, Gelenkschmerzen, ein Leben voller tiermedizinischer Eingriffe.

Und dennoch werden sie weiter gezüchtet –
weil sie profitabel sind.

3. Welpenproduktion statt sorgfältiger Selektion

Viele „Züchter“ produzieren Welpen, nicht Hunde.
Sie vermehren statt zu züchten.

  • ohne Gesundheitsnachweise
  • ohne Wissen
  • ohne Verantwortung
  • ohne Rücksicht auf das Tierwohl

Das Internet hat die Zuchtindustrie explodieren lassen

Früher kannte man den Züchter im Dorf.
Heute reicht ein Smartphone und ein Instagram-Account – und schon wird aus einem Wohnzimmer eine „Zuchtstätte“.

Schöne Bilder.
Hübsch inszenierte Welpen.
Professionell wirkende Posts.
Und darunter eine Wahrheit, die niemand sieht:

  • Hündinnen, die ständig gedeckt werden
  • Welpen, die viel zu früh abgegeben werden
  • fehlende Sozialisation
  • Krankheiten, die erst Wochen später auffallen
  • Käufer, die getäuscht werden

Die Fassade ist perfekt –
die Realität oft grausam.

Traditionelle Züchter kämpfen – und werden von Trendzuchten überrollt

Es gibt sie noch:
die seriösen, verantwortungsvollen Züchter.
Mit kleinen Würfen, gesunden Linien, klaren Zielen.

Doch sie geraten unter Druck.
Denn sie können nicht konkurrieren mit:

  • Billigwelpen aus osteuropäischen Vermehrerfabriken
  • schnell verfügbaren Online-Würfen
  • Käufern, die „schnell“ einen Welpen wollen

Die echten Züchter bleiben übrig –
mit Wartelisten, Aufklärungsgesprächen, hohen Kosten, aber stabilen Werten.

Die Frage ist:
Wird diese Zuchttradition überleben?

Das eigentliche Problem sitzt vor dem Bildschirm: Die Nachfrage

Zucht ist nicht losgelöst von Konsum.
Zucht existiert, weil Menschen kaufen.

Und viele kaufen heute nach:

  • Optik
  • Trend
  • Preis
  • Verfügbarkeit
  • Social-Media-Einfluss

Anstatt nach:

  • Gesundheit
  • Wesen
  • Herkunft
  • Verantwortung

Solange die Nachfrage oberflächlich bleibt, bleibt auch die Zuchtindustrie oberflächlich.
Solange Menschen einen Hund wollen, „jetzt sofort“, wird es Händler geben, die genau das liefern.

Und solange man bei Qualzucht wegsieht, wird Qualzucht weiter existieren.

Ein Appell: Tradition bewahren, Kommerz entlarven

Wir brauchen wieder eine Haltung, die fragt:

  • Woher kommt der Hund?
  • Wie lebt die Mutterhündin?
  • Warum wurde dieser Wurf gemacht?
  • Welche Gesundheitsnachweise gibt es?
  • Welche Verantwortung übernimmt der Züchter langfristig?

Und wir müssen uns trauen, NEIN zu sagen:

  • zu Modefarben ohne Nutzen
  • zu überzüchteten Merkmalen
  • zu „Mini“-Varianten
  • zu Zuchtstätten ohne Transparenz
  • zu Welpenlieferungen
  • zu Social-Media-Trendhunden

Hunde sind keine Produkte.
Sie sind keine Trends.
Sie sind kein Geschäft.

Hunde sind fühlende Lebewesen – und sie verdienen Zucht, die diesem Anspruch gerecht wird.

Fazit: Es ist Zeit, die Hundezucht neu zu denken

Traditionelle Zucht hatte Werte.
Moderne Zucht hat Möglichkeiten.
Doch viele nutzen sie falsch.

Zwischen Verantwortung und Kommerz müssen wir eine Linie ziehen.
Eine klare Linie.

Für die Hunde.
Für ihre Gesundheit.
Für ihre Zukunft.

Denn die Frage ist nicht nur:
Wie züchten wir heute?

Sondern:
Was für Hunde wollen wir morgen?